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Freitag, 14. März 2014

Deutschland und die Welt... Teil 21

Der Traum vom Korbball-Pro


Köpenick - Seit über zwei Jahren schreibe ich jetzt für den Berliner KURIER. Über Hertha, über Union. Als Ex-Fußballer ist das ein Heimspiel. Aber fast genauso lange berichte ich jetzt auch schon über Alba Berlin. Nicht die Recycling-Firma. Sondern den Basketball-Bundesligisten. Zu Beginn war das schon eine heftige Aufgabe. Basketball kannte ich bis dahin nur aus der Schule, da hieß es aber noch Korbball. Oder aus dem Fernsehen, wenn mal was aus der NBA gezeigt wurde. Oder aus der jedes Jahr aufs Neue scheiternden Videospielserie von Electronic Arts. Doch Mittlerweile ist Basketball für mich schon Alltag geworden. Und ich verstehe sogar die Regeln. Muss nur noch ganz selten nachfragen.


Wenn ich sage Alltag, dann ist das ein Lob. Ein Lob für diesen Sport, der mich jetzt genauso fasziniert, wie der Fußball. Und das alles verdanke ich den Albatrossen. Das hat in der letzten Spielzeit mit tollen Alba-Auftritten in der Euroleague angefangen und geht in dieser Saison in der Bundesliga, im Pokal und im Eurocup so weiter. Körbe werfen sieht bei David Logan, Cliff Hammonds, Alex King und Co. so einfach aus. Aber vor allem so nach Spaß. Und was einfach ist und Spaß macht, will und kann ich auch. Dachte ich mir…

… also schnappte ich mir an einem meiner wenigen freien Tage meinen Basketball, zog mir knielange Shorts, ein Schlabber-Shirt und ein Cap an. Schickte meiner Freundin Bina noch schnell eine lässige SMS mit total vielen englischen Wörtern und coolen Abkürzungen, weil man das als Basketball-Pro so macht. Und ab ging’s in den Basketball-Käfig bei mir um die Ecke. 

Dort angekommen, musste ich mich erstmal durch das Gebüsch hineinkämpfen. Hier hat wohl schon ewig niemand mehr gespielt. Der mit Glasscherben geschmückte Gummi-Boden wellt sich nach oben. Irgendwelche Gangster-Jugendlichen haben Geschlechtsteile auf die Stange des Basketball-Korbs gemalt und das schon angesprochene Gebüsch drängt sich immer weiter ins Zentrum der Anlage. Kein schöner Anblick. Und vor allem kein Schlaraffenland für meine jetzt beginnende Karriere als Basketball-Star. 

Aber das war mir egal. Michael Jordan hat auch mal klein angefangen. Gut, vielleicht nicht mit 1,71 Meter… aber um die Größe ging’s ja jetzt auch noch nicht. Sondern um den Ground. Und der war auch bei Herrn Jordan zu Beginn seiner Mega-Karriere nicht das United Center in Chicago. Von daher war der Köpenicker Käfig für meine auch kein Hindernis. Eher ein Ansporn. 

Als ich mich nach sechs Minuten erfolgreich und mit nur ganz wenigen Kratzern durchs Gebüsch gekämpft hatte und endlich auf dem roten Boden stand, legte ich sofort los. Ich warf auf den Korb. Und dann wieder. Und dann nochmal. […]. Mist. Ich musste feststellen, dass Bulls-Shorts und Caps noch lange keinen Basketball-Crack aus einem machen. Aber ich gab nicht auf. Dachte mir, wenn mein Talent und die Klamotten nicht ausreichen, dann muss ich es eben wie alle anderen machen. Mit Training. Und harter Arbeit. Also dribbelte ich, warf auf den Korb. Immer und immer wieder. Ich übte mega-intensiv Würfe aus der Mitteldistanz. Dreier. Freiwürfe. Korbleger. Dunks. Okay, die glaubt mir jetzt keiner. Aber was ich sagen will, ich trainierte wie ein Besessener… 

…ganze 22 Minuten. Mit Erfolg. Es wurde besser. Plötzlich war jeder dritte, ach, was schreibe ich hier, jeder zweite Wurf drin. Im Gebüsch. Und im Korb landeten sogar auch ein paar Bälle. Ich war begeistert. Glücklich. Und völlig am Ende. K.o., aber mit mir im Reinen. Ich hab’s mir selbst bewiesen. Ich kann Basketball! Ich kann Körbe werfen! Einen Beweis habe ich auch für euch. Macht man ja so heutzutage, zu Zeiten von Facebook, Twitter und so. Man fotografiert ja alles. Und ich bin sogar noch besser, ich hab sogar gleichzeitig gefilmt, als ich einen Korb geworfen hab:

Stark, oder? Und alles nach meiner ersten Trainingseinheit. Brauche mich vor Mister Logan und den anderen Albatrossen nicht mehr zu verstecken. Wenn sie mich jetzt herausfordern würden, würde ich ganz cool sagen: „Klar, kann losgehen! Wenn mein Muskelkater wieder weg ist.“ Na schönen Dunk auch.

(S.J.)

Kommentare:

  1. Hallo Steven,sehr schöner Artikel wieder.Habe lange nichts Neues von dir gelesen auf deiner Seite.Alles Gute für dich.

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  2. Dein Artikel ist dir wieder gelungen Steven,könnte jeden Tag etwas von dir lesen.Du bist einfach Spitze!!!

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